N a r r a t i v

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Erzählen hieß eigentlich: Überflüssiges berichten. Heutzutage ist der klug klingende Begriff des Narrativs der Hinweis auf eine zielgerichtete, weitläufige Geschichte mit einer Kernaussage zugunsten eigener Interessen.

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Inflationär verwendet, kann bald in jeder zusammenhängenden Äußerung ein Narrativ gesehen werden.

Im Englischen und Französischen gehört das Narrativ sozusagen zum Wortschatz, im Deutschen dagegen wird mit dem Einsatz dieses Fremdwortes nach etwas Höherem gegriffen.

Mit weitläufigem Erzählen wird zum Ausdruck gebracht, dass man Abläufe meint, die einleuchtenden Sinn offenbaren und darum mehr leisten als gewöhnliche Argumentationen. Denn es es geht darum, mit einer einleuchtenden, unterhaltenden Erzählung Interesse zu wecken und zu überzeugen.

Als Urheber dieser Erzählform gelten: Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel, die meinten, dass jedes Ziel von einer Geschichte eingerahmt werden solle. Auch bei „On Dialogue“ (Dhority) heißt es:

„Kein Text ohne Kontext.“ Kritisch wird die Nutzung des Narratives, wenn geraunt wird und vage Vermutungen in großer Zahl aneinandergereiht und kontinuierlich veröffentlicht werden.

Das Oxford English Dictionary nennt Lyotard explizit als Urheber der neuesten englischen Bedeutung von narrative und definiert diese so: „Eine Erzählung oder Darstellung, die benutzt wird, um eine Gesellschaft oder historische Periode zu erklären oder zu rechtfertigen“. Zur Zeit wird alles als Narrativ bezeichnet, was

es immer schon gab: Erzählung, Darstellung, Begründung, Rechtfertigung, Erklärung. Jede sprachliche Darstellung mit mehr als fünf Sätzen beinhaltet demnach ein N. Und immer soll etwas Höheres beschrieben werden. Die Geschichte soll einleuchtenden Sinn offenbaren und darum mehr leisten als gewöhnliche Argumentationen. Eigentlich geht es um bildhafte Vergleiche, die einen recht nüchternen Sachverhalt anschaulich mit Worten visualisieren und eine Stimmung zugunsten eigener Positionen erzeugen sollen.

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